Zum Haus der gerechten Hoffnung

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Montag, 27. September 2010

Kulturcafe mit Mona Vetsch

Hallo lieber Odin

Heute habe ich nochmals gelesen, was ich wütend, binnen weniger Minuten vor einem Jahr hier hingekritzelt habe. Ich entschuldige mich, es ist mir mehr als peinlich.
Kritiker sollten den Anstand haben, mit sich selber im Minimum genauso kritisch ins Gefecht zu gehen, wie mit jenen, welche sie kritisieren. Ich habe mich von meinen Emotionen treiben lassen und deshalb einen stilistisch-orthographischen Sudel abgegeben und noch viel schlimmer einen Menschen tief unter der Gürtellinie angegriffen.  Manchmal ist schweigen die höchste Form von Philosophie, aber ich habe mich noch nie Philosoph genannt, deshalb schweige ich nicht. Ich versuche zu korrigieren, was zu korrigieren ist und wünsche Mona Vetsch, welche ich als Moderatorin eigentlich sehr mag, alles Gute.


Was ist das?

Eine Prostata! Und ist das auch Kultur



Und was ist das?



Ein Thermoskrug! Und ist das auch Kultur?

Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit habe ich zufälligerweise die Sendung KULTURcafe auf DRS2 gehört. Als Gast eingeladen war die Mona Vetsch.

Mona wurde gefragt, was sie heute in ihr Tagebuch(Heft) geschrieben habe. Die Kulturcafemoderatorin kam auf das Thema, weil viele  "kultivierte",  intellektuelle Menschen, Heftchen mit sich rumtragen, in welche sie ihre goldenen, flüchtigen Alltagsgedanken jederzeit festhalten können. Ernest Hemingway hat dafür die Basis geschaffen. Ein schwarzes Notzizbuch, welches er auch in der Savanne beim Löwenjagen problemlos mit sich herumtragen konnte, diente ihm als Tagebuch. Heute, einige Jahrzehnte später, kann man die Heftchen an jedem Kiosk kaufen, so dass jeder kultivierte und intellektuelle Mensch seine Gedanken darin festhalten kann. An sich ist das ja nicht schlecht, kann therapeutisch sogar sehr wirksam sein.

Nun aber zurück zum Kulturcafé.
 Mona Vetsch wurde von der Moderatorin gebeten, den Hörern mitzuteilen, was sie den heute Morgen in ihr Hemingwayheft geschrieben habe.  Sie habe auf dem Weg nach Basel im Zug unter einer Prostatareklame gesessen. Nachdem sie selber auf die Toilette gehen musste, habe sie verstanden, weshalb man ausgerechnet in Zügen Prostatareklame mache. Aber sie wolle jetzt nicht im Radio auf Einzelheiten ihres Toilettenerlebnisses eingehen.

Die letzten Worte hallten noch in meinem Gedächtnis nach, als sich bereits ein fahles Gefühl in meiner Magengegend breit machte. Kultur? Was hat denn das jetzt mit Kultur zu tun? Eine Prostatareklame und Zugklos sind doch eher Unkultur als Hochkultur. Mir war schwindlig und speiübel. Da wird ein Künstler in Paris bestraft, weil er den Mut hatte das Bild Christoph Blochers, in einer Theaterinszenierung nota bene, anzupinkeln, andererseits kann man am schweizer Kulturradio straffrei zur besten Sendezeit über unappetitliche Zugklos schwatzen.

Ich war noch mit meiner Wut beschäftigt, als die Sendung bereits auf ihren zweiten Höhepunkt zulief. Die Moderatorin erklärte, dass jeder Gast etwas ganz persönliches in die Sendung mitbringe, etwas, das ihn ausmache. Mona Vetsch hatte sich für eine Thermosflasche entschieden, weil der Kaffee, welcher vom fahrenden Zugbuffet serviert wird,  ihr nicht schmecke. Sie würde deshalb jeden Morgen den eigenen Milchkaffe machen und ihn dann im Thermoskrug mitnehmen.
Erneut überlegte ich mir verzweifelt, was denn das nun mit Kultur zu tun hat?
 Milchkaffeekultur, ja ich glaube da gibt es wirklich. Es gibt viele Arten einen guten Milchkaffe zuzubereiten, das kann durchaus Milchkaffekultur genannt werden. Die Thermosflasche hingegen, nun ja, liebe Mona, recht hast Du, da gibt es auch ganz verschiedene Varianten, man würde wohl eher von Design sprechen. Dein Mitbringsel war und ist gleich doppelte Kultur. Und Alltagskultur ist die Kultur, welche uns ausmacht. Man kann gut leben, wenn man nicht jedes Bild von Kandinsky gesehen hat, aber man lebt schlechter ohne Kaffeekultur??
Mein groben unflätigen Worte und billigen Beleidigungen, welche zuvor hier standen, waren nicht nur kulturlos, sondern im Nachhinein gelesen, völlig respektlos, das tut mir aufrichtig leid, man hätte mich deswegen durchaus bestrafen dürfen.

Ich werde jeden Tag mit Massenwerbung (Pharmawerbung ist eine ganz dekadente Art von Werbung, weil sie mit der Angst der Menschen spielt) überflutet. Ich versuche mich täglich gegen diesen Müll zu stemmen. Als ich nun per Radio im Auto bereits am "frühen" Morgen Prostatareklame als Kultur verkauft erhielt, hat es mich einfach verjagt.  Die Kulturcafésedung war nicht übel und ich hätte sie ja auch nicht hören müssen, aber die arme Mona hat es geschafft mir ihren Aussagen meinen Unmut über die oberflächliche Welt der Werbung, des Verkaufs, des Managements usw. ungehemmt und völlig falsch gerichtet ausbrechen zu lassen.


Nun, die Sendung hat mich wenigstens dazu bewogen, nachzudenken was ich denn überhaupt unter Kultur verstehe.

Kultur. Ist alles was der Mensch selber erschaffen kann. Landwirtschaft, Technologie, Literatur, Religion, Architektur, Gemälde, Speisen, Kleider etc.

Der Thermokrug würde also klar unter Kultur gehen, strenggenommen.

Die Prostata wird aber von der Natur selber geschaffen, oder von einem Demiurgen (Gott, höheres Wesen) erschaffen. Deshalb würde ich eher sagen, dass die Prostata an sich und auch die Prostatakrankheiten nichts mit Kultur zu tun haben.
Die Prostatawerbung hingegen ist aber ganz klar menschliches Kulturschaffen (ein absurdes Wort den es heisst übersetzt eigentlich das von  Menschenhand erschaffne Schaffen). Und die Toiletten, ja, die kann man durchaus auch unter Kultur subsumieren. Kultur muss ja nicht immer schön und gut sein! Kultur ist, wie sie auf uns wirkt ist der Kultur an sich eigentlich piepegal!

Dennoch, Kunst und Kulturhygiene, lieber Odin, ist es in einer Zeit der omnipräsenten Massenmedien, sich nicht täuschen zu lassen. Trotz Massenschriftsteller, Milliardenphilosophen  und diplomierten Lebensunsinnexperten, den Sinn des eigenen Lebens nicht zu verkennen.




Jeder Begriff, jedes Wort, jede Geste haben eine immense Wirkung auf den Geistesozean. Und der Ozean des Geistes formt wiederum in steter Wechselwirkung Dich selber.  Deshalb lass Dir Zeit Odin und überleg Dir immer gut, wo, mit wem und wie Du Dich in der Scheinwelt des Momentes zeigen willst.
Mein erster Text, war jedenfalls eine völlig vermasselte Inszenierung, absolut nicht nachahmenswert.



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