Zum Haus der gerechten Hoffnung

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Dienstag, 3. Mai 2011

Heinrich IV; Eine Mutter schwächt das Reich. Teil XIX.

Lieber Odin



Heinrich III starb, wie schon etliche Kaiser vor ihm sehr jung mit 38 Jahren. Er hinterliess die Macht seinem minderjährige Sohn und seiner Frau Agnes von Poitou. Agnes musste bis zur Volljährigkeit von Henry IV dessen Regierungsgeschäfte tätigen. Agnes war eine Frau und zudem auch noch Burgunderin (Französin). Die deutschen Herzöge leisteten ihr  nur ungern Folge und begannen von Anfang an gegen die Kaiserin zu intrigieren. Bereits im Jahr 1050 organisierten  die Herzöge von Bayern und Kärnten eine Verschwörung gegen Heinrich III. Der Aufstand scheiterte damals, weil die beiden aufwieglerischen Herzöge plötzlich aus unerklärlichen Gründen verstarben. Alte Narben können schnell aufbrechen. Agnes war also wirklich nicht zu beneiden.

Geschickt holte Agnes einen starken Mann auf ihre Seite. Papst Viktor II übernahm nach dem Tod Heinrich III mit viel viriler Autorität für eine kurze Zeit die Verantwortung im Reich. Er sass Schlichtungsgesrächen vor, beispielsweise mit dem Herzog von Bayern, aber auch anderen Oppositionellen. Durch geschickte Reichsdiplomatie schaffte er es den Frieden zu halten. Viktor II (früher Bischof von Eichstätt) verstarb aber bereits ein Jahr nach dem Tod Heinrich des III. Agnes schaffte es nicht in dieser heiklen Phase so schnell wie möglich eine feste Verbindung zur römischen und fränkischen Kurie aufzunehmen, das sollte sich rächen.

Ohne Kirchenschutz war Agnes nun voll dem Druck der fränkischen Adelsfamilien ausgesetzt.
1057 wurde ihre Tochter Mathilde entführt vom aufmüpfigen Rudolf von Rheinfelden. Er erpresste auf diese Weise von der Kaiserin das Herzogtum Schwaben für sich. Damit demonstrierte Agnes Schwäche, andere Forderungen sollten nicht auf sich warten lassen. Das passte wiederum dem schwäbischen Adelsgeschlecht der Zähringer nicht, sie opponierten hart dagegen. Agnes gab auch den Forderungen der Zähringer nach und vergab das Herzogtum Kärnten an diese. Weitere kaiserliche Geschenke folgten, um die Herzöge zu besänftigen. 1061 vergab Agnes sogar ihre eigenes Herzogtum Bayern (welches sie von Heinrich III, ihrem Ehemann geerbt hatte) an eine sächsische Adelsfamilie. Es herrschte kaiserlicher Ausverkauf, Agnes englitt Herzogtum um Herzogtum. Sie schmälerte damit die kaiserliche Autorität tief.

Zu Rom hatte Agnes keinen Kontakt und somit auch absolut keine päpstliche Rückendeckung.
Die Kaiserin holte sich immer mehr Rat bei engen Vertrauten, was iher auch zum Verhängnis werden sollte. Bischof Heinrich von Augsburg wurde zu einem derart engen Vertrauensmann, dass sogar Gerüchte über unzüchtige Liebe zwischen Heinrich und Agnes kursiereten. Agnes war nicht zu beneiden, sie wurde zum Spielball vieler machtsüchtiger weltlicher und kirchlicher Männer, wirkliche Vertraunespersonen hatte sie keine.
1062 wurde auch der 12 jährige Heinrich IV von Verschwörern entfürt. Angeblich, weil  sich die anderen Bischöfe (Gegner von Heinrich von Augsburg) und Fürsten Sorge um die Erziehung des Königs machten. Agnes gab den Entführern abermals nach. Sie willigte ein, dass die Erziehung dem Erzbischof von Köln übergeben wurde. Agnes verschenkte nicht bloss Land, sondern gar noch ihre Kinder, um den Reichsfrieden halten zu können.
Irgendwann mal wurde ihre dann doch das Regieren unter solchen Umständen zu viel. Agnes versprach, sicher auch auf Druck der Herzöge, sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen und in ein Kloster zu gehen. Der Königssohn hatte in der Folge weder mütterliche, noch kirchliche Rückendeckung.

Der Bischof von Köln erzog den Königssohn natürlich nicht gratis. Er forderte den neunten Teil aller Reichseinkünfte für die Kölnerkirche (und sich selber) ein. Das Reich verkam immer mehr zu einem Selbstbedienungsladen. Der Kölner Dom steht also auf einem wahrlich fragwürdigen Fundament.

Kleiner Exkurs zum Kölner Dom, wenn wir schon von ihm reden, reden wir doch gleich einwenig ausführlicher über dieses imposante Gebäude.

Wusstest Du, dass der Kölner Dom das drittgrösste Kirchengebäude der Welt ist? Das höchste steht ebenfalls in Deutschland es ist das Ulmer Münster und das zweitgrösste steht in der Elfenbeinküste (Basilika Notre-Dame de la Paix). Du hast richtig gelesen, das zweitgrösste Kirchengebäude der Welt steht in der von Hungersnöten und Bürgerkriegen geplagten Elfenbeinküste. Es ist eine Kopie des Perterdoms von Rom. Und wenn dereinst die Sagrada Familia in Barcelona fertig gestellt würde (seit zwanzig Jahren stehen da Kräne, so lange habe ich es jedenfalls beobachtet) würde die katalanische Kirche (Gaudi) zur höchsten Kirche der Welt.
La sagrada familia von Gaudi in Barcelona, soll grösste Kirche der Welt werden, wenn sie jemals fertig gebaut würde.

Hier siehst Du im Vergleich Ulm-Köln-München-Berlin-Aachen.


Das Volk stirbt den Hungertod, aber eine prunkvolle Kopie des Perterdoms wird in der Elfenbeinküste gebaut. Wie heilig können in megalomanem Akt gebaute Prunkbauten wirklich sein ?
1065 erhielt Heinrich endlich die Schwertleite. Mit der Schwertleite war Heinrich IV mündig und konnte vollumfänglich als Kaiser amtieren. Unmittelbar nach der Zeremonie, heisst es,  wollte Heinrich scheinbar auf den Bischof von Köln losgehen, derart hasste der junge König seinen "Erzieher".
Die Berater wechselten wie zur Herrscherzeit der Mutter Agnes, sehr schnell und häufig. Am Hof von Heinrich kam es deshalb wie zu Zeiten seiner Mutter zu einer Intrige nach der anderen. Nicht nur dies destabilisierte die Reichsautorität, sondern auch, dass der junge König auch nicht willig war seine Verlobte, die Herzogin von Turin, zu heiraten. Anno der Bischof von Köln veranlasste dann aber trotzdem die Heirat. Bereits zwei Jahre später wollte sich der König aber von Bertha von Turin  trennen. Es kam zu einem zähen Ringen am Hof und schliesslich sah der König ein, dass wenn er sich trennen liesse, er massiv Wasser auf das Mühlerad seiner Gegner giessen würde. Er blieb mit Bertha verheiratet, wenn auch mit grossem Widerwillen.
Heinrich beobachtete vor allem die sächsischen Fürsten mit äusserster Argwohn. Otto von Northeim, dem seine Mutter Agnes das Herzogtum Bayern leichtfertig gegeben hatte, war dem jungen Heinrich ein besonderer Dorn im Auge. Heinrich entzog ihm das Herzogtum 1070 nach einer möglicherweise von ihm selber inszenierten Affäre.

Heinrich wollte seine Macht in Sachsenland zementieren. Er liess als Symbol der königlichen Reichsautorität weithin sichtbarae Höhenburgen, überall in Sachesen bauen. Die Harzburg war eine der bekanntesten. In der Burgkapelle der Harzburg liess er auch seinen Sohn und Bruder begraben. Demonstrativ dislozierte er also die familiäre Kultstätte von Speyer (Westfrankenreich) nach Sachsen (Ostfrankenreich). Zudem liess er in den Höhenburgen königliche Minister (Verwalter) die ihm nahe standen leben, sie sollten ständige königliche Reichspräsenz im Sachsenland markieren. Diese Verwalter waren fast ausschliesslich Schwaben.
Es ist extrem schwierieg den Grund der überstürtzten Burgbauten im Sachsenland zu eruieren. Kriegspropaganda arbeitet immer mit Lügen, so müssen die königstreuen, aber auch die sachsenfreundlichen Chroniker dieser Zeit mit Vorsicht gelesen werden.
Sicher ist, dass es zu Verhandlungen zwischen dem König und den Sachsen in der Kaiserpfalz zu Goslar kam und diese Verhandlungen scheiterten. Es kam zum ersten Sachsenkrieg. In diesem Krieg war der junge König ganz auf sich selber gestellt, weil die süddeutschen Fürsten ihm die rechtlich zugesicherte Kriegsunterstützung verweigerten.
Es ist auch nicht verwunderlich, dass es deshalb zu einer klaren Niederlage für den König kam. Schliesslich wurde Heinrich im Frieden genötigt die sächsischen Höhenburgen abreissen zu lassen. Er machte dies auch, liess sich aber zu viel Zeit beim Abreissen der Harzburg. Sächsische Bauern halfen dem nach und rannten selber in zerstörerischer Absicht auf die ungeliebte Harzburg los. Es kam zur Grabschändung der Königsfamilie. Heinrich IV hatte somit einen Grund Rache zu üben. Nun hatte er auch die Unterstützung der südlichen Reichsfürsten und konnte so ein grosses, eindrückliches Heer zussammenstellen. In zwei Feldzügen gelang ihm der Sieg über die Sachsen und insbesondere seinen Rivalen Otto von Northeim. Sämtliche wichtigen Fürsten akzeptierten anlässlich dieser Siege 1074 Konrad als den Königsnachfolger.

Heinrich IV und Italien.

Eine der wichtigesten Beschlüsse in Rom war das Papstwahldekret. Damit die Kurie in Rom sich vor dem Einfluss der römischen Patrizier schützen konnte, beschloss sie auf einer Lateralsynode, dass der Papst von nun an nur noch durch Erzbischöfe gewählt werden könne und das Volk von Rom (die Patrizier) kein Stimmrecht mehr hätten.
Die andere grosse Aenderung war das Bündnis des Papstes mit den süditalienischen Normannen. Denn nach dem Tod von Heirnich III war der Papst schutzlos, er suchte also Frieden mit seinem südlichen Erzfeind den Normannen und den Byzantinern.

Wer sind die Normannen? Ich erlaube mir hier ihre Geschichte Kurz zusammenzufassen.


 Normanne heisst Nordmann und ist ein Synonym für Wikinger. Seit 800 haben die wilden Wikinger mit ihren genialen, wendigen aber äusserst see- und flusstauglichen Schnellbooten die grossen Städte und Länder Europas terrorisiert. Sie kamen, brandschatzten, plünderten und verschwanden wieder. Mit der Zeit erstellten sie Winterresidenzen, damit sie nicht immer wieder den weiten Weg nach Skandinavien zurürcksegeln mussten. Ein Zweig dieser wilden Nordmänner liess sich auch in Nordfrankreich (Normandie) nieder. Sie waren sehr kriegerisch und verdrängent sukzessive den lokalen fränkischen Adel. Mit der Zeit nahen sie die französische Sprache an (und liesen ihre germanische Sprache fallen). Sie etablierten sich als kriegerische vorerst lokale Macht. Viele machten aber auch Söldnerdienst insbesonder für Byzanz in Süditalien. So kamen die Normannen schliesslich auch zu Ländereien in Süditalien (da sie halfen, Süditalien von Arabern zu befreien). Später sollten sie auch Sizilen erobern. Der Palazzo dei Nromanni in Palermo zeugt noch heute von der Präsenz der Nordmänner im südlichsten Italien.

Palazzo dei Normanni in Palermo

Agnes von Poitou hat die Reichsautorität massiv geschwächt und Heinrich ein chaotisches Erbe übergeben. Die Auseinandersetzung mit der Kurie in Rom wird sich in extremis zuspitzen. Ein kleiner Vorgeschmackt dazu ist folgende Geschichte. Als die Kaiserin Agnes einen Bischof ernannte und die Kurie in Rom bat diesem die Stola, als Zeichen der Bischofswürde zu senden, verweigerte Rom sich der Kaiserin. Die Kaiserin musste die Stola selber holen lassen, das war ein ganz deutliches Zeichen aus Rom, dass man sich von der Kaiserin distanzierte.

Die Geschichte geht im nächsten Blogeintrag weiter.

bis dann

servus

Dein simorre

1 Kommentar:

  1. "Heinrich IV; Eine Mutter schwächt das Reich." Das ist schwachsinn! (siehe z.B.: Mechthild Black-Veldtrup, Kaiserin Agnes (1043-1077) - Quellenkritische Studien)

    Hier ist wohl nicht beachtet worden, dass sich Kaiserin Agnes nach ihrer Schleiernahme von 1065-1077 in Rom an der Seite des Papstes Gregor VII. aufgehalten hat und dessen Beraterin im Investiturstreit war und sogar zwischen ihm und ihrem Sohn Heinrich IV. vermittelt hat.

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