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Freitag, 6. Mai 2011

Heinrich V und die bischöflichen Schlägereien Teil XXI

Lieber Odin

Nach der unfreundlichen Machtübernahme Heirnich V von seinem Vater Heinrich IV, konnte der gefangene Vater nach Lüttich fliehen. Dort starb er 1106 und hauchte noch wohlweislich auf dem Sterbebett, dass er sich mit seinem Sohn symbolisch ausshönen wolle. Er liess ihm als Zeichen des ultimativen Willens der Aussöhnung seinen Ring und Schwert (die letzten Kaiserinsignien) schicken, mit der Bitte, dass sein Sohn diese Kaisergeschenke annehme und ihn im Familiengrab in Speyer bestatten möge.
 Der Sohn kam dem Wunsch des Vaters gerne nach, denn nur so konnte er einen drohenden Bürgerkrieg zwischen Anhängern des Vaters und seinen Anhängern verhindern. 1111 wurde Heinrich IV in Speyer beerdigt.

Der Dom der Salier in Speyer ist gigantisch. Hier ein aktuelles Bild in schwarz-weiss.


Hier siehst Du das Familiengrab der Salier. Heinrich IV Grabplatte steht an der Wand.

Ein richtiger Kaiser bleibt auch nach dem Tod gekrönt, hier Heinrichs Grabkrone.

Heinrich V musste sich mit denselben Problemen wie sein Vater auseinandersetzen. Der Papst und die Reformistenpartei wollten nicht mehr, dass der König (Kaiser) selber Bischöfe ernennen konnte und diese ihm dann als Vasallen auch in Kriegen zu dienen hätten. Rom wollte eine klare Trennung der weltlichen und klerikalen Machtverhältnisse.  Die Bischöfe wurden damals vom König mit Ring  sowie dem Stab versehen. Diese kaiserlichen Bischofsinsignien gaben dem Bischof nicht nur den Schutz des Kaisers, sondern auch spezielle, materielle Privilegien. Dafür musste der Bischof aber im Kriegsfall den Kaiser mit einer Truppe Soldaten unterstützen. Das wollte die Kirche nicht mehr. Stab und Ring seien rein kanonische Symbole und dürften bloss vom Papst übergeben werden, argumentierten sie deshalb.
Ivo von Chartres schlug eine Lösung des Streites vor. Er meinte, dass die Aufgaben des Bischoftums in zwei Bereiche unterteilt werden sollten.
1. in Spiritualien. Geistliche Funktionen des Bischofamtes
2. Temporalien: Weltliche Besitz von Kirchengütern.
Er meinte, dass die Spiritualen nicht vom König vergeben werden können, somit auch nicht deren Symbole der Ring und der Stab. Die Temporalien aber vom König an Bischöfe vergeben werden dürfen.
England und Frankreich konnten sich mit der Kurie zu Rom einigen, Heinrich der V wollte aber von seiner Macht, Bischöfe weiterhin selbständig und uneingeschränkt ernennen zu können, nicht ablassen.
Der Reformpapst (Paschalis II) wandte sich in der Folge von Heinrich V ab und schloss mit dem König von Frankreich Philipp I ein Bündnis gegen Heinrich V.

Heinrich V suchte als Reaktion eine engere Verbindung zu den Anglo-Normannen. Er verlobte sich mit der achtjährigen Mathilde von England. Das Mädchen wurde 1110 in Mainz zur Königin gekrönt. Heinrich V und Heinrich I schlossen darauf ein Gegenbündnis zum französisch-klerikalen Bündnis.
1111 zog Heinrich V zum ersten Mal nach Italien, um den Papst zu treffen. Papst und König vereinbarten, nach Verhandlungen hinter verschlossener Tür, eine Beilegung des Investurstreits (Bischofsernennung durch den König). Die Lösung sah wie folgt aus. Alle weltichen Privilegien der Bischöfe sollten an den König übergeben werden (Münzrecht, Heer, Zoll, Markt etc). Die Beischöfe sollten vom Zehnten ihrer Kirchengüter leben, die Kirchengüter sollten aber vom König und seinen Ministern verwaltet werden. Im Gegenzug sollte der König darauf verzichten Bischöfe zu ernennen und mit Ring und Stab auszustatten. Paschalis versparch diese Idee, wenn es sein musste, gegen den Willen der Bischöfe mittels Kirchenbann durchzusetzen. Hoch und heilig und mit viel Pomp versprachen die Kleriker und weltlichen Herrscher der damaligen Zeit (auch Heinrich V) sich an diesen Papstvorschlag zu halten.
Es sollte aber alles ganz anders kommen, denn wenn es um Macht geht, benehmen sich auch Männer im grossem Ornat unberechenbar wie kopflose Kleinstkinder.


Ein prunkvoller Tempel, indem man feierlich über Macht d.h. Ländereien und Steuereinnamen feilschte. Was hätte Jesus Christus zu diesen Machenschaften wohl gesagt, was zum goldenen Tempel, den man ihm widmete. Gold welches nur zu oft mit dem Blut von einfachen Menschen bezahlt wurde? Nichts gegen Kunst, nichts gegen Verehrung des Schöpfers, die Frage ist nur zu welchem Preis? Zum Preis der Aufgabe von Ethik und Moral?



Anlässlich der Kaiserkrönung im Petersdom kam es jedenfalls zu gewalttätigen Ausschreitungen unter den Bischöfe, da sich einige um ihre weltlichen Pfründe betrogen fühlten. Die Kaiserkrönung musste wegen bischöflichen Schlägereien abgebrochen werden.
Der Papst kam derart unter Druck der kirchlichen Würdeträger, dass er sein Versprechen gegenüber Heinrich brechen musste. Heinrich nahm darauf kurzerhand den Papst in Geiselhaft und machte sich fort von Rom. In Rom brachen in der ganzen Stadt wüste Kravalle (wie beim arabischen Frühling in Aegypten) aus. Schliesslich konnte Heinrich dann aber, mit der päpstlichen Geisel am Gängelband, seine Kaiserkrönung erzwingen. Er beharrte darauf, dass er weiterhin nach alter Manier Bischöfe ernennen dürfe. Auch verlangte er vom Papst, dass er nie einen Bann über ihn, den Kaiser, aussprechen dürfe und auch den Bann von seinem verstorbenen Vater zurückgezuziehen habe. Der Reformpapst Paschalis, welcher ich immer noch kaiserliche Geisel war, willigte widerwillig ein.

Kaum war der Kaiser aber über die Alpen nach Deutschland zurückgekehrt, verhängte die Kurie in Rom (nicht der Papst persönlich) den Kirchenbann über Heinrich V erneut, was dem Kaiser Gegner unter den romtreuen deutschen Reichsfürsten bescherte.  Papst Paschalis II suchte, da der Streit mit dem Kaiser nicht beizulegen war, die Wiedervereinigung mit der Ostkirche. Er tat dies aber auch, weil das Christentum sah sich durch die zunehmende Arabisierung im Süden bedrängt. Dem Kaiser des Ostens war der Kirchenbann gegen Heinrich V mehr als nur genehm.
Papst Paschalis ernannte zum Schutz der Kreuzzüge und auch der Pilger den Johanniterorden. Er machte diesen von einem Laienorden zu einem geistlichen Orden. Die Johanniter waren initial zuständig für das Betreiben eines Hospitzes in Jerusalem, wurden aber später immer mehr auch zu einem Kriegsorden, welcher den Schutz der Kreuzfahrer ins heilige Land sichern sollte. Und vor allem den Papst und seine weltliche Pfründe zu verteidigen hatte. Die Johanniter nennt man auch Malteser. Sie waren nach dem französischen Templerorden der zweite wichtige geistliche Ritterorden.


Hier siehst Du, lieber Odin, den aktuellen Pontifex Maximus eingehüllt in eine Malteserskreuzstola bestückt mit "Ehrennadeln??"

Der Orden existiert noch heute. http://www.johanniter.de/

1116-1117 weilte Heinrich V erneut in Rom. Abermals gab es einen Kampf um das Papstamt. Patrizier und Prälaten der Kurie kämpften um die Macht im Vatikan. Paschalis II wurde aus Rom vertrieben und Mauritius krönte in Abweseneheit des Papstes Mathilde die Engländerin zur Kaiserin. Das erzürnte Paschalis derart, dass er stante pede Mauritius exkommunizierte. Paschalis starb kurz darauf.  Gelasius II wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Mauritius wurde von Heinrich auf Druck einer römischen Patrizierfamilie zum Gegenpapst Gregor VIII gewählt. Erneut herrschte in Rom ein HEILLOSES Durcheinander. Gelasius verhängte darauf erneute den Kirchenbann über Heinrich V, aber auch den Gegenpapst. Wie kann ein Papst unfehlbar sein, wenn man ihn sogar exkommunizieren muss???
 Widersprüchlier geht es nicht, aber eben Odin, wenn es um Macht geht, hört die Vernunft auf zu existieren.
Das machte die deutschen Fürsten zornig, sie zitierten Heinrich zu einer Aussprache nach Worms. Im Wormser Konkordat einigten sich dann der Nachfolger von Papst Gelasius und Heinrich auf die kirchliche Investur. Damit wurde die Macht des Kaisers in kirchlichen Belangen abschliessend eingeschränkt.

Weil das Wormserkonkordat so einschneidend in die Macht des Kaiserraeiches war und Kirche und Staat deutlich voneinander trennte, habe ich unten den Anfang des Konkordats eingefügt.

Ego Henricus, Dei gratia Romanorum imperator augustus, pro amore Dei et Sanctae Romanae Aecclesiae et domini papae Calixti et pro remedio animae meae, dimitto Deo et sanctis Dei apostolis Petro et Paulo Sanctaeque Catholicae Aecclesiae omnem investituram per anulum et baculum, et concedo in omnibus aecclesiis, quae in regno vel imperio meo sunt, canonicam fieri electionem et liberam consecrationem).


Die Schrift sieht bescheiden aus, hatte aber eine grosse Wirkung. (Das ist oft so Odin, das Umgekehrte stimmt aber oft auch.)



Heinrich V verstarb 1125 müde und enttäuscht, nachdem er eine Schlacht gegen den Franzosenkönig Ludwig VI verloren hatte.
Seine Frau Mathilde ging zurück an den englischen Hof und heiratete den Grafen von Anjou. Ihr gemeinsamer Sohn wurde König Heinrich II von England. Mathilde ist auch Grossmutter der Ehefrau von Richard Löwenherz. Die blaublütigen Banden zwischen Deutschland, England und den Normannen waren also bereits tief.
Heinrich V üerbgab, da er selber keine Kinder hatte, seinen Alloidalbestiz (Recht über sämtliche Güter) dem am Sterbebett sitzenden Staufer und Neffen Friederich II von Schwaben.

Auf Heinrich den V folgte der Herzog von Sachsen Lothar III. Wie konnte es sein, dass ausgerechnet ein Sachse, die natürlichen Erzfeinde der Salier, an die Macht kommen konnte, obwohl Heinrich V seinen ganzen Besitz den Staufern von Schwaben vermacht hatte?
Heinrich hatte Lothar III zum Herzog von Sachsen gemacht, weil er dachte, dass Lothar aus einer unbekannten Familie komme und selber keine politisch-militärisch starke Persnölichkeit sei. Er meinte, mit einem schwachen Sachsenherzog sich den Rücken frei geschaufelt  zu haben. Und so problemlos über das Sachsenterritorium regieren zu können. Lothar entwickelte sich aber als Herzog von Sachsen zu einem sehr klugen Staatsmann und taktisch cleveren Heerführer. Er konnte seinen Einfluss und seinen Besitz deutlich ausweiten. Nach dem Tod von Heinrich V wurde er von den Reichsfürsten zum Nachfolger Heinrichs ernannt, man traute ihm die Führung des Reiches zu und sah in ihm einen nicht allzu starken Ueberkönig.
Aber schon bald bildete sich eine Opposition. Die Staufer stritten mit Lothar III um die Güter der Salier, denn Heinrich V hatte sie ja eigendlich ihnen vermacht.  Der Streit artete soweit aus, dass die Schwaben und die Franken gemeinsam den Staufer Konrad und dessen jüngeren Bruder von Friedrich II von Schwaben zu Gegenkönigen machten. Konrad wurde in Italien zum italienischen König gekrönt, die Schwaben und Franken versuchten in Italien eine Machtbasis gegen den deutschen König aufzubauen.

Die Staufer sehen sich als Erbe des Saliers Heinrich V

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