Zum Haus der gerechten Hoffnung

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Dienstag, 31. Mai 2011

Wieder ein Kaiser nach 92 Jahren. XXXVI

Hallo Odin


Die Hahnenkämpfe im Reich waren egoistisch und für das deutsche Reich selbstzerstörerisch. Wie immer in solchen Fällen lachen die Dritten. Frankreich und England konsolidierten ihre nationale Souverenität. Vor allem Frankrich wurde zur immer gewichtigeren Macht in Europa. Als der französische Papst Clemens V mit der ganzen Kurie nach Avignon (Südfrankreich) ins Exil zog, war besiegelt wer die nächsten Jahre den Ton angeben würde in Europa. Die Grundlage des zentralistischen, französischen Sonnenkönigreichs war gelegt. Das deutsche Reich sollte von Wüsten internen Querelen und Massenmorden heimgesucht werden. In England, Frankreich und Italien war es im Vergleich sehr ruhig.

In Italien herrschte der lokale Geldadel in uneingeschränkter Willkür und streckte seine Hände immer direkter in den Vatikan aus. Schliesslich stellten die reichen Adeligen jeweils die Päpste gerade selbst, aus ihren eigenen Familien. Die Zeit der Dekadenz in Rom nahm ihren Anfang.

Deutschland war ein zerstrittener Fleckenteppich aus verschiedenen zerstrittenen Fürstentümmern deren Gehässigkeit untereinander soweit ging, dass steit der Stauferzeit zwei deutsche Könige am hellichten Tag ERMORDET wurden.

Nach der Ermordung Albrechts von Habsburg 1308 wählten die sieben Kurfürsten (d.h. sechs denn der Fürst Böhmens blieb bewusst der Wahl fern) erneut einen nicht zu starken und vor allem nicht zu deutschen König. Heinrich VII war Graf von Luxenburg-Limburg. Er sprach kein Deutsch nur Französisch. Er wurde nach französischer Tradition erzogen und hatte eigentlich gar keinen Bezug zu Deutschland, das war den deutschen Herzögen nur recht. Einer der die Sprache des Volkes nicht kann, wird kaum gefährlich werden.  Die Kurfürsten meinten erneut eine schwache Königspuppe gefunden zu haben. Eine die gut im Verwalten und Repräsentieren war, aber ihren eigenen Machtgelüsten nicht im Weg zu stehen hatte.

Heinrich eröffnete seine Regentschaft tacktfoll (wie es der französischen Rittertugenden entsprach) er liess seine beiden Vorgänger Adolf von Nassau und Albrecht den Habsburger standesgemäss in Speyer begraben. Er anerkannte die junge Eidgenossenschaft 1309 bestehend aus Uri, Schwyz und Unterwalden (Ob- und Nidwalden) und schützte auch den Niederschwäbischen Städtebund gegen die machthungerigen lokalen Fürsten.
In Böhmen herrschten nach dem Tod des letzten böhmischen Königs unklare Verhältnisse. Schliesslich setzte Heinrich dort seine Interessen durch und konnte seinen Sohn Johann zum böhmischen König machen. Er verheiratete diesen strategisch klug mit der Schwester des letzten böhmischen Königs (Elisabeth¨Premyslowa geb. in Prag 1292). Mit diesem Schachzug hatte Heinrich VI den von den Habsburgern ungeliebten Heinrich von Kärnten vom Pragerthron geboxt. Schliesslich einigte sich Heinrich von Kärnten, auch auf Druck des deutschen Königs, mit den Habsburgern und gab sich mit den Herzogtümern Tirol und Kränten zufrieden.
Johann, der wie sein Vater französisch erzogen worden war, harmonierte gar nicht gut weder mit seiner tschechisch-habsburgischen Gemahlin noch mit dem tschechsichen Landadel. Es kam zum offenen Rosenkrieg und Bürgerkrieg in Böhmen. Johann und Elisabeth hatten zwar sieben Kinder gemeinsam, aber die Ehefrau musste vor ihrem Mann ins bayrische Exil fliehen und einige Kinder wurden ihr von Johann weggenommen und in Frankreich erzogen.
Im Westen des Landes verschlechterte sich die Situation zwischen dem "deutschen" König Heinrich und dem französischen König. Der Papst musste einen "vorübergehenden" Frieden zwischen den beiden Streithähnen vermitteln.
Heinrich hatte einen Kaiserkrönungstermin mit Papst Clemens V aushandeln können, denn der Papst sah sich immer stärker vom französischen König unter Druck gesetzt.
1310 zog Heinrich nach 92 Jahren wieder als deutscher König nach Rom auf Geheiss des Papstes. Dort sollte er von Kardinälen zum Kaiser gekrönt werden in Abwesenheit des Papstes.




Oben siehst Du eine zeitgenössische Illustration des Romzugs von Heinrich VI. Die Lage in Italien war katastrophal, es fehlte seit mehr als 90 Jahren eine Zentralgewalt. Die Bevölkerung war der lokalen Fürstenwillkür ausgeliefert. In Dante Allighieris "Göttliche Komödie" ist die Situation eindrücklich beschrieben.
Anfägnlich konnte sich Heinrich mit den zerstrittenen Machthabern in Italien einigen. Aber als er in Mailand mit der eisernen Langobardenkrone zum König von Italien gekrönt wurde, kam es postwendend zu Aufständen gegen den Kaiser in ganz Norditalien. Du weisst ja wie heiss die Kämpfe zwischen dem Langobardenbund und den Staufern schon gewesen ist. Auch Florenz (Medici, der Geldadel wollte keine ritterliche ethisch korrekte Macht) und Neapel (König Robert von Anjou als Franzose war sicher nicht für den deutschen König) waren spinnefeind gegen den deutschen Kaiser. Heinrich zog nach den aufreibenden norditalienischen Kämpfen in die prokaiserliche Stadt Pisa, um verschnaufen zu können.
Schliesslich wurde er 1312 im heruntergekommenen Rom zum Kaiser gekrönt. Als Heinrich aber in Rom ankam, war bereits ein Aufstand gegen ihn organisiert (vom König von Neapel, dem Franzosen Robert von Anjou).
Nach der Kaiserkrönung war der französische König entsetzt, der englische König hingegen gratulierte. Schlimm war für Heinrich, dass nach der Krönung der Papst immer mehr zum französischen König hielt. Heinrich war zwar Kaiser, aber ziemlich isoliert auf dem Kontinent.
Robert von Neapel griff den Kaiser mit französischer und auch päpstlicher Unterstützung abermals an. Heinrich hatte nur ein kleines Heer in Italien. Schliesslich fand er aber im sizilianischen König und der Stadt Pisa zwei starke Verbündete. Pisa und Sizilien sollten Neapel von der See aus angreifen und Heinrich vom Land aus in Neapel einfallen. Leider starb aber Heinrich an einem unklaren Fieber (Malaria oder Vergiftung) 1313. Der unerwartete Tod des Kaisers erlaubte den Befreiungsschlag für den König von Neapel und die Franzosen.

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