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Mittwoch, 1. Juni 2011

Die Pest und der Cosmopolit Karl IV Teil XXXIX

Hallo Odin

Ludwig der Bayer hatte sich also nachdem er das Bündnis mit England gekündigt hatte ziemlich ins politische Abseits manövriert. Schliesslich ernannten die Kurfürsten Karl IV 1346 als Gegenkönig zu Ludwig. Karl stammte aus dem luxenburgischen Herrscherhaus. Du erinnerst Dich, dass die Luxenburger (als sie deutscher König waren) sich auch Böhmen durch die Heirat zwischen Johann von Luxemburg und der böhmischen Königstochter aneigneten.
Karl IV hat eine sehr gute Ausbildung genossen, da sein Vater, der böhmischer König war, seinen Sohn auch in Frankreich und Italien ausbilden liess. Karl sprach Latein, Deutsch, Tschechisch, Italienisch und Französisch. Als Karl nun 1346 zum König gewählt wurde, stellten die Bayern sofort einen Gegenkönig. Dieser erwies sich aber als schwach und bis 1350 schaffte es Karl sich mit dem Herzog von Bayern und den Habsburgern auszusöhnen.

Der "schwarze Tod" grassierte im Reich. Karl IV organisatorisches Talent wurde nun noch fast mehr als das diplomatische auf die Probe gestellt.
Die Pest war gefürchtet und im abergläubisch-christlichen Umfeld wurde sie als Strafe Gottes gesehen.
Hier siehst Du die Verbreitung der Pest im 14 Jh.

Hier schiebe ich noch einen guten Ueberblick ZDF Doku "Wir Deutschen Karl IV".


Die Pest hat also ganz Europa heimgesucht. Die Pest ist eine bakterielle Infektionserkrankung sie wird vom Erreger Yersinia pestis übertragen. Es sind gramnegative Stäbchenbakterien, welche man heute mit ganz gängigen Antibiotika gut behandeln kann.

Hier siehst Du den Pesterreger in einer elektronenmikroskopischen Vergrösserung.


Die Dinger sehen harmlos aus, sind es auch, wenn man sie mit Antibiotika behandelt. Diese Bakterien vermehren sich normalerweise in Flöhen, welche Blut von Ratten saugen. Wenn nun die Ratten an der Infektionskrankheit (Yersinien Pest) sterben, gibt es immer mehr Flöhe pro überlebende Ratte. Wenn es mehr als 50 Flöche pro Ratte vorhanden sind, dann gibt es nicht mehr genug Futter für die Flöhe. Erst dann, nach drei Tagen Blutkarenz, gehen die Rattenflöhe auch auf Menschen über und infizieren den Menschen mit oben gezeigtem kleinen Erreger. Nach wenigen Tagen Inkubationszeit (ca. fünf Tagen) treten die ersten Symptome auf, wie Gliederschmerzen, Fieber, Uebelkeit. Es sind Symptome die jede Infektionskrankheit machen kann. Nach wenigen Tagen schwellen die Lymphknoten in der Nähe der Flohbissstelle stark an und verfärben sich livide (bluten innerlich).

Hier siehst Du ein typisch angeschwollener Pestlymphknoten (deshalb auch BEUELENPEST genannt). Wenn nun die Behandlung ausbleibt, dann können 20% aller Erkrankten eine tödliche Sepsis (Blutvergiftung) erleiden.
Das sind Zahlen, welche heutige Pestausbrüche beschreiben, wir wissen natürlich nicht wie die Immunität der Menschen im Mittelalter war, wir wissen auch nicht ob immer die richtigen Diagnosen gestellt wurden. Eine neuer Influenzavirentyp (spanische Grippe) kann natürlich auch massive todbringende infektiöse Pandemien verursachen.

Jedenfalls grassierte die Angst und der Ablasshandel funktionierte sicher blenden. Es wurden Pilgerreisen gemacht (und so die Pest auf Booten schön weiter verschleppt) und St Rochus Kapellen gebaut. St. Rochus war der Pestheilige, die Legende besagt, dass er in Montpellier viele Pestkranke gepflegt haben soll.

In den Strassen wurden Autoflagellationsumzüge veranstaltet, wie sie heute noch bei den Schiiten an einem speziellen Feiertag praktiziert wurden und die Aerzte, Priester und Totengräber begrüssen ihre Patienten/Klienten in folgender vertrauenserweckender Montur.


Es war wahrlich kein Schleck in einer solchen Zeit eine völlig verängstigte Gesellschaft führen zu müssen, nicht?
Und da das Volk und die Kirche die Krankheit als Strafe Gottes sahen, brauchte es auch die obligaten Sündenböcke. Die Juden boten sich in ihren Getthos geradezu an. Es kam zu Pogromen im ganzen Reich. Der Schutz den die Staufer bis zu Friedrich II den Juden gewährten konnte nicht mehr aufrecht erhalten werden. Karl IV liess die Kurfürsten völlig frei entscheiden wie sie mit Juden umgehen wollten. Es kam zu ganz hässlichen Ausschreitungen. Da die Armut gross war und auch der König keine Mittel zur Verfügung hatte, beschlagnahmte man in grossem Stil jüdisches Vermögen. Die Juden durften, im Gegensatz zu Christen Zinsgeschäfte tätigen, dies machte einige Juden sehr reich. Das schürte den Hass in der schwierigen Zeit noch mehr. Die Kirche machte bei der Jagd auf Judenvermögen wacker mit.

Hier siehst Du in einer Chronik aus Flandern, wie sich die Judenpogrome während der Peszeit im Reich auswirkten.

Hier noch ein ZDF-DOKU über die Pest, welche sich vom schwarzen Meer her über Europa ausbreitete (durch mongolische Krieger eingeschleppt)



Einer  der die Zeit  der Pest sehr eindrücklich und witzig beschrieben hat  ist Giovanni Boccaccio. Im  Decamerone hat er ohne Zensur die damalige Zeit (auch die Pest geplagten Städte) beschrieben.
Und  hier poste ich den Canto cinque  aus Dantes ( hat auch in dieser Zeit gelebt)  inferno.  So muss es für die Menschen in den Städten gewesen sein., die Masse war  voll  Angst und Hoffnungslosigkeit.

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