Zum Haus der gerechten Hoffnung

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Donnerstag, 2. Juni 2011

Karl IV verschenkt das Reich den Fürsten Teil XXXX

Hallo Odin

So Pest adde(us). Nun wenden wir uns wieder dem Treiben Karls zu. 1354 liess er sich in Mailand mit der eisernen (langobardischen) Krone zum italienischen König krönen. Ohne sich gross aufzuhalten in Oberitalien,  ritt er mit seinem Tross gegen Rom und wurde dort von einem päpstlichen Vertreter zum Kaiser gekrönt.
1368-69 kam es zu einem zweiten Italienfeldzug. Ziel war es die päpstliche Kurie (Papst Urban V) wieder nach Rom zu bringen. Karl mischte sich nicht weiter in die italienische Poltik ein, sondern begüngte sich, damit dass die reichen italienischen Städte regelmässig Tributzahlungen ablieferten. Eine eigentliche Italienpolitik im Sinne der südlichen Reichserhaltung macht Karl nicht. Er liess in Italien die lokalen Fürstenfamilien schalten und walten gemeinsam mit einer immer reicher werdenden Elite aus Kaufmännern und Geldleihern.
Auch den französischen König liess er ganz unkontrolliert frei gewähren. Er trat dem französischen König sogar das Burgund ab und Avignon mit samt Papst dazu. Im Gegenzug liess sich Karl mit dem viel ärmeren Genf  geradezu leichtfertig abspeisen. Man merkte gut, dass Karl nur halbherziger Deutscher war, die schönen Künste und die Weltstädte Paris und Florenz lagen ihm deutlich näher, als das kalte deutsche Reich.
 Im Hinterkopf bastelte er an einem schöngeistigen, reichen Böhmen herum, da lagen seine Visionen. Fürs Reich an sich nahm er sich bedenklich wenig freie und gebündelte Energie.
 Der florentinische Schriftsteller Petracca (nebst Dante und Boccaccio der berühmteste) nannte Karl IV einen Kaufmann, der vor allem seine böhmische Hausmacht erweitern wollte. Kaiser war er bloss so nebenbei.
Er wollte sich auch nicht gross den Kopf über die Reichspolitik machen und erstellte zu seiner Entlastung die goldene Bulle.
In der Bulle wurde genau geregelt, wie die Königswahl abzulaufen hatte. So sollte der Kurfürst von Mainz, (Reichskanzler Deutschlands) binnen 30 Tagen nach dem Tod des Königs, in der Barthlomäuskirche in Frankfurt am Main den neuen König krönen.
Die wahlberechtigten Kurfürsten in absteigender Wichtigkeit mit einer Ausnahme sind unten aufgelistet. Die Ausnahme besteht darin, dass der Erzbischof von Mainz, der wichtigste Kurfürst, am Schluss zu wählen hatte, denn die Möglichkeit für einen Stichentscheid sollte immer bei ihm liegen.

1: Erzbischof von Trier (Reichskanzler Burgund)
2: Erzbischof von Köln (Reichskanzler Italien)
4: König von Böhmen
5: Pfalzgraf vom Rhein
6: Herzog von Brandenburg
7: Erzbischof von Mainz (Reichskanzler Deutschland).

In der Bulle wurde auch die Judenregale an die Kurfürsten abgetreten. Das bedeutete,  dass die Juden gegen Geld Schutz von den Fürsten zu erwarten hatten. Der Kaiser, das Reich, schütze die Juden nicht mehr automatisch. Das sollte zu den grässlichen Repressionen gegen die wohlhabenden jüdischen Kaufleute und zu Pogromen führen.

Die Festlegung des Wahlprozederes war an sich noch der gute Teil der Bulle, aber in den folgenden Abschnitten gewährte er den Kurfürsten eigentlich völlige Autonomie. Der zweite Luxemburger schwächte wie bereits der erste das deutsche Reich ungemein.

Die Kurfürsten durften selber Rechtsprechen. Es gab für die Untertanen der Fürstentümer keine Möglichkeit an ein anderes Gericht als das des Kurfürsten zu gelangen. Dazu erteilte die Bulle auch die Immunität über die Fürsten. Die Reichsbevölkerung war also voll der rechtlichen Willkür der Kurfürsten ausgeliefert.
Zudem erteilte die Bulle den Kurfürsten das Recht auf Zollerhebung und eigene Münzprägung. Die Fürsten sollten also in Zukunft völlig unabhängig vom König/Kaiser Geld machen können. Der Kurfürstentitel wurde auch automatisch immer an den ältesten Sohn eines Kurfürsten übertragen. Das sicherte wenigen Familien im Reich fast immerwährende, völlig uneingeschränkte Macht. Lieber Odin, diese Macht zieht sich bis in die heutige Zeit, denn im Schatten der Fürsten agierten die Münzfaktoren und diesen Münzfaktoren gehören heute die grössten Banken der Welt.

Der deutsche König-Kaiser wird, so will es die goldene Bulle, nicht mehr die Kurfürsten, sondern die Kurfüsrten ganz klar den deutschen Könige resp. Kaiser in den Fingern haben. Der Königskandidat musste ja jeweils obendrein noch viel Geld und oft auch Lehen für die Stimme der Kurfürsten versprechen. Die goldene Bulle erlaubte Wahlen wie wir sie heute bei der FIFA erlben. Ohne Geldschmiererei konnte niemand mehr König werden. Spätestens nach Karl ging alles nur noch ums Geld. Ehre, Tugend, Führungsqualitäten waren nebensächlich, hauptsache die Kohle floss in richtigen Mengen in die richtigen Taschen. Der Anfang vom Ende des deutschen Reichs nahm hier seinen Lauf.  Das Reich war oft nur noch Nebensache, Hauptsache die eigene Hausmacht wuchs an.

 In der Bulle war auch enthalten, dass die Kurfüsten sich einmal im Jahr alle zusammen mit dem König zu Beratungsgesprächen zu treffen hatten. Oft ging es bei diesen Trefffen auch weniger ums Reich als um gegenseitige Geschäfte.
In der Bulle wurde auch die Judenregale an die Kurfürsten abgetreten. Das bedeutete,  dass die Juden gegen Geld Schutz von den Fürsten zu erwarten hatten. Der Kaiser, das Reich, schütze die Juden nicht mehr automatisch. Das sollte zu den grässlichen Repressionen gegen die wohlhabenden jüdischen Kaudleute und zu Pogromen führen. Die Juden waren voll der Kurfürstlichen Willkür ausgesetzt. Der Kurfürst hatte nichts zu befürchten er genoss ja Immunität. (Gerade so wie es heutige Politiker und Banker (Bank für internationalen Zahlungsausgleich etc) auch tun)


Positiv an der goldenen Bulle war lediglich, dass der Papst seine Zustimmung für den deutschen König nicht mehr abzugeben hatte. Und dass wer zum deutschen König gewählt werde auch automatisch Anspruch auf das Kaiserramt des heiligen römischen Reiches haben solle..


Das goldene Siegel der Bulle, Karl IV sitzt auf Rom, re der Reichsadler und li der böhmische Löwe.

Dank den grossen Geschenken an die Kurfürsten durch diese Bulle (Kauf der Kurfüsten) schafften es die Luxemburger zusammen mit den Habsburgern fast durchgehend bis zur Auflösung des Reichs 1806 immer den deutschen König zu stellen. Süddeutschland ging fast leer aus.

 Karl vergab blind weitere Privilegien auch an normale Grafen. So verhalf er den Grafen von Hohenzollern, welchen ihre Burg in Nürnberg hatten, zum Reichsfürstentum. Er liess  Hohenzollernstadt Nürnberg ausbauen und verband Nürnberg mit seiner Heimatstadt Prag (seine Mutter war ja Böhmin und sein Vater böhmischer Kaiser gewesen). Ohne die Unterstützung Karl IV für die Hohenzollern hätte Deutschland Kaiser Wilhelm II  nie erleiden müssen.

Karl interessiete sich vor allem für den Ausbau seiner Lieblingsstadt Prag, sie sollte so strahlen wie Paris, oder Florenz. Unter Karls Bauwahn wurde Prag zur goldenen Stadt. Die Brücke über die Moldau trägt noch heute seinen Namen.


Blick über die Karlsbrücke in die Altstadt hinein.


Prag hatte auch ein grosse jüdische Kommune (die reichen jüdischen Kaufleute), welche am Bau des goldenen Prags wacker mitzahlen mussten. Franz Kafka ist einer der berühmtesten Prager Juden. Schön beschreibt er in seinen Werken " der Prozess" und " das Schloss" die bizarren Auswüchse der bornierten kaiserlichen  Willkürverwaltung. Die Grundsteine dazu hat Karl IV ganz klar gelegt. In seiner Pragliebe ging Karl soweit, dass er den Kaisersitz gleich nach Prag verlegt. Für die Aufbewahrung der Reichsinsignien liess der "bescheidene und fromme" Karl die Burg Karlstein, nur wenige Kilometer ausserhalb von Prag bauen. Prag erhielt unter Karl auch den Veitsdom und eine Universität.

Eine stattliches Tresörchen für die Aufbewahrung der Reichskleinodien

Karl riss sich Schlesien, die Niederlausitz und durch Anheirat auch Ungarn unter den böhmischen Nagel. Er war dafür bereit Reichsinteressen im Westen an den französischen König zu opfern. Kein Wunder also, dass sich die Eidgenossen mit immer grösserem Nachdruck aus dem "heiligen" römischen? Reich, das kaum Schutz bot, verabschieden wollten. Karl war im Osten beschäftig, der Südwesten des Reichs war ihm Schnuppe.
Dass Karl vor allem französicher Natur war, zeigte sein absolut zügelloser Umgang mit Geld. Noch nie war ein Kaiser dauernd derart verschuldet wie Karl. Viele sagen Karl sei einer der ganz grossen spätmittelalterlichen Kaiser gewesen, ich persönlich sehe diese Grösse gar nicht bei Karl. Er hat meines Erachtens dem Reichszusammenhalt nachhaltig und massiv geschadet.

Der Hang zur pompösen Inszenierungssucht zeigte sich auch nach seinem Tod. 1378 starb Karl in Prag. Elf Tage wurde seine Leiche aufgebahrt. Vier Tage lang dauerten die Beerdigungsfeierlichkeiten. Unter einem Tross von 7000 Begleitern wurde Karls Leiche durch Prags Stadt getragen und an verschieden Orten dem Volk zur Schau vorgesetzt.

Karl war zweifelsohne ein für seine Zeit hochgebildeter Mann. Er hat sowohl philosophisch-theologische Schriften verfasst sowie ein Autobiographie. Er hat aber auch dazu beigetragen, dass das Reich zu einem Fleckenteppich verschiedener Hausmächte wurde, ein unregierbares Gebilde.
Was nützt Deutschland ein heller und frommer Kaiserkopf, wenn er den Reichszusammenhalt verhöckert?

Wie glücklich war so ein König wirklich? Mir kommt da ein Lied von Katie Melua. in den Sinn hör mal rein.

Gruss und machs Gut

simorre










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