Zum Haus der gerechten Hoffnung

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Samstag, 4. Juni 2011

Literatur in Solothurn

Hallo Odin


Hatte heute eine sehr angenehme Begegnung in Solothurn. Draussen war es sommerheisst und schwül, trotzdem habe ich mich in den Rathauskatakomben von Solothurn verschanzt und Literatur gehört.
Es ist eindrücklich, wenn ein Buch ein Gesicht erhält, wenn Buchstaben zu tönen beginnen.

Michail Schischkins Auftritt hat mich ganz besonders berührt. Da sass ein Mann, ganz bescheidener Mann vorne auf dem Podest und erzähtlte Geschichten die sich zwischen den Engen Zürichs und den unendlichen Weiten Russlands erstreckten. Geschichten die die schwarzen Abgründe des Menschen derart ehrlich offen legten, dass einem manchmal fast übel wurde und gleichzeitig aber auch  das schönste und wichtigste menschliche Gut, die Liebe, offenbarten.
Und dies alles in einer flüssigen deutschen Uebersetzung.

Michail Schischkin

hat als Dolmetscher für die Asylbehörde der Schweiz gearbeitet. Viele seiner Geschichten sind Lebensgeschichten von Asylsuchenden in der Schweiz. Im Roman mit hinein verwoben ist die Lebensgeschichte seiner Mutter, welcher in der Zeit der grossen Judenpogrome in Russland (1920-1950) ihr Jugend gelebt hat. Er hat von seiner Mutter nach ihrem Tod ihre sämtlichen Tagebücher erben können. Als er sie las, war er sehr erstaunt, dass die Mutter aus dieser dunkeln stalinistischen Periode kaum etwas erwähnte, sondern sich in ihren Tagebüchern alles um ihre grosse Liebe und eine rosa Zukunft drehte. Er sei zuerst völlig kosntipierte gewesen ob soviel Naivität dieses jungen Mädchens, nach etlichem Nachdenken sei ihm aber dann aufgegangen, dass seine Mutter bereits als Mädchen sehr weise und bewusst gelebt hatte. Statt sich von den brutalen, menschenverachtenden dunklen faschistis-kommunistischen Zeiten zerfressen zu lassen, hat sie ihre zarte Liebe ungehemmt ins dunkle ausstrahlen lassen. Ein schöner und krasser Gegensatz.
Zudem gibt er einer grossen Sängerin dieser Zeit auch wieder ein Leben. Auch ihr Leben ist in den Roman mit eingeflechtet. Die grosse Sängerin habe bewusst keine Tagebücher, oder Briefe hinterlassen, er habe sich nur auf indirekte Quellen verlassen können, auch dies ein Gegensatz zur nicht berühmten Mutter, welche Tagebücher verfasste. Michail erklärte, dass zu der Zeit niemand spuren hinterlassen wollte, denn man konnte nicht sicher sein, dass die Dinge, welche man aufgeschrieben hatte irgendwann einmal in der Zukunft gegen einen verwendet werden könnte. Wer Solschenizins Archipel Gulag oder die Krebsstation kennte, weiss, dass es kein Schlech war in russische Straflager zu kommen. Also hinterliess man lieber NICHTS.

Michail Schischkin hat mehrer Roman geschrieben. Leider ist bis jetzt nur einer auf deutsch erschienen.

Wie es Materie und Antimaterie gibt, gab es dann auch zu Michail Schischkin ein absolutes Antiprogramm.

Mathias Zschokke präsentierte seinen email-Roman. Auf siebenhundert fetten Seiten lästert er darin mail um mail über andere Menschen. Er tut dies in einer bornierten Ueberheblichkeit, die teilweise tief unter das Erträgliche gehen. Schlimm dazu, dass er über Menschen schreibt, die man kennt.
Er las eine Szene vor, in der er in einem kleinen Kaff ausserhalb von Leipzig eine Lesung halten musste (durfte). Er sei da von einer ignoranten steifen Biliotheksvorsteherin in Empfang genommen worden, die offen zugab, dass sie von ihm noch nie etwas gehört habe und sich deshalb übers Internet über ihn habe schlau machen müssen. Man habe im stickigen Foyer, die Heizung sei noch aus der DDR-Zeit gewesen und damals habe man es noch nicht so mit guten Regulatoren gehabt und deshalb sei die Zimmertemperatur sicher 30 Grad gewesen. Der Fendant sie warm in übergrossen, riesigen Gläsern serviert worden. Schliesslich sei er in den Saal geführt worden, dessen Parckettboden mit hässlichen Filzquadraten ausgelegt worden sei, damit der Boden nicht durch die Stühle beschädigt würde. Man hat ihm gesagt, dass man das schon Jahrzehnte so mache, er habe sich gedacht, dass sehe man den Quadern auch an. Die literarisch interessierten schweizer Zuhörer in Solothurn grölten. Ich dachte dieses Gröslen zeigt einmal mehr, dass Menschen, welche an kulturelle Events gehen nicht auch intelligent sein müssen. Er lässterte dann weiter, dass die Filzquadrate zudem  nass gewesen seien, so dass es auch noch extrem nach Schimmel gerochen habe im Sall. Die Bibliothekarin sei wegen der Ueberhitzung , dem Gestank und dem warmen Fendant dan plötzlich während seiner Lesung kollabiert. Die Zuhörer in Solothurn lachten erneut schallend. Ich dachte mir bloss, vielleicht ist sie ja auch wegen dem was Zschokke gelesen hat in Ohnmacht gefallen, es gibt Dinge im Leben die will der vernünftige Mensch ganz einfach weder sehen, noch hören.
Der Lästerungsreigen, des in Berlin lebende Schweizer Schreibpsychotikers ging  weiter und weiter, ein Ende war nur abzusehen, da die Zeit nicht reichte die hunderten von Seiten einzeln auszurufen. Und immer wieder leerte er seinen Hohn und Spott über Deutchland und  lobte in jedem zweiten mail die Küche und die Menschen der Cote d Azur. Er würde ja schon gerne nach Italien oder Frankreich auswandern, aber (ein anderes seiner langweiligen running gags) er leide halt unter Geldmangel und sei ja zusammen mit einer Frau, das koste halt.
Ich habe mich selten so über  einen Schrifsteller aufgeregt, wie  über den aufgeblasenen, überheblichen Zschokke.
Wenn es noch mehr schweizer Geschichtenschreiber wie Zschokke in Berlin gibt, dann steht es bald extrem schlecht um unseren Ruf.



Lieber Odin

Ich bin seit es möglich war ohne Pass in den Osten zu fahren mehrmals als Student (ab 1998) mit Interrail jeweils einen Monat in Osteuropa herumgefahren.
Ich habe Budapest, Prag, Danzig, Warschau, Bunkarest, Leipzig, Dresden, Weimar, Berling-Ost durchkämmft als es noch nicht vom Kapitalismus heimgesucht wurde. Ich habe mit den alten Menschen gesprochen, ich habe mit vielen Kriegsvertriebenen (Deutschen) herrliche Gespräche haben dürfen. Weil ich wusste, dass vor den WK-das kulturelle Herz Europas im Osten schlug und dass auch da grosse Politik gemacht wurde, habe ich bewusst ein halbes Jahr in Danzig am Kinderspital gearbeitet. Ich wollte die neue Geschichte des Ostens kennenlernen und wollte über das Schicksal der Menschen mehr erfahren. Ich habe auswählen können, ob ich in die USA (Boston) oder sonst irgendwo auf der Welt hätte einen Stage machen wollen, ich wollte nach Danzig. Weil Danzig mitunter der Zankapfel war, der Hitlerdeutschland dazu gebracht hat den totalen Krieg auszurufen.
Hätte man nämlich dem Reich den danziger Korridor gewährt, dann hätte Deutschland Polen nie angegriffen.
Churchill und vor allem die Banker aus London und Uebersee wollten aber den totalen Flächenbrand. Ich werde Dir diese Geschichte sptäer erzählen.

Und soviel sie gesagt, ich habe in all den Jahren in Osteuropa immer sehr, sehr schöne und eindrückliche Momente erleben dürfen. Ich bedanke mich bei allen bescheiden Menschen, welche mich stets herzlich aufgenommen haben und mir ehrlich und offen ihre Lebensgeschichten erzählt haben (1988-1994). Heute gibt es diese Menschen in den Zentren von Prag und Budapest nicht mehr, die Häuser sind saniert und es herrscht Business wie in Zürich auch, nur viel unbarmherziger und primitiver. Mir tun die Menschen in diesen Länder leid, es gibt extrem viele Verlierer und nur einige ganz wenige Gewinner.
Wer da noch  lachen mag, über diese Menschen muss ein Unmensch sein.

1 Kommentar:

  1. Zu Materie und Antimaterie:

    Wollen Sie allen Ernstes schimmlige Nadelfilzquadrate verteidigen? Sind Sie wahnsinnig?

    Genau hinzuschauen und weiterzulieben, das ist unsere wichtigste Lebensaufgabe. Ob es sich nun um ein geliebtes Land oder um einen geliebten Menschen handelt!

    Um dann – in mühevoller Kleinstarbeit – die stinkenden Teppichstücke zu entsorgen und gleichzeitig nach einer Möglichkeit zu suchen, wie das Parkett auf sinnvollere, effizientere Art vor dem Schrammen von Stuhlbeinen bewahrt werden könnte.

    Ich wünsche Ihnen viel Ausdauer und Gottes Hilfe. Ohne die geht’s nicht, da haben Sie selbstverständlich recht!

    MfG Geneviève

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