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Montag, 13. Juni 2011

Sigismund und sein Konzil XXXXVI

Hallo Odin


Lass mich nochmal kurz zusammenfassen, weshalb es überhaupt zum Konzil von Konstanz gekommen ist.


 1378 wurde Clemens IV zum Gegenpapst des römischen Papstes Urban gewählt. Mit dieser Wahl wurde nicht nur kirchenpolitisch eine Abspaltung von Rom erreicht, sondern der französische  König hatte nun seinen eigenen Papst. Das war ganz wichtig im damaligen Machtpoker. Denn mit dem Segen des Papstes, der ja unfehlbar ist und direkter Repräsentant Jesu auf Erden darstellt, hatte der König einen übermächtigen Freund oder aber auch Feind zur Seite. Ein Freund der auch die grössten Schandtaten legaisieren konnte, oder aber ein Feind der einem wegen Nichtigkeiten ins Scheiterhaufenfeuer zu werfen vermochte. Frankreich wollte nicht mehr länger unter der  deutsch-englischen Machtzange leiden, es wollte sich mit einem eigenen Papst aus dieser Zange freisprengen. Frankreich wollte sich zu einer eigenständigen, in Europa tonangebenden, Nation entwickeln, dazu brauchte der König die Legitimation Gottes und die holte er sich ganz einfach mit einem eigenen Papst.
Die Spannungen innerhalb der Kirche nahmen zu und das Volk fühlte sich immer mehr hintergangen von den weltlichen Machtgelüsten der stets verruchteren Kurie und Höfe. Es kam zu religiösen Gegenbewegungen. Eine davon waren die Waldenser,  welche bewusst der weltlich-materiellen Weltordnung der damaligne Zeit den Rücken zuwandten. Sie sagten dem weltlichen Reichtum ab und wollten ein bescheidenes und ganz einfaches, frommes Leben führen, ganz im Sinne der heiligen Schrift. Komisch, dass gerade solch Vorzeigechristen von den Päpsten, Kardinälen und ihren Hunden gejagt und getötet wurden.  Im 14 Jh. erreichte die Verfolgung von "Häretikern" einen grausamen Höhepunkt. Nicht nur Waldenser und Katharer, sondern auch Juden (wenn die Kurie oder ein Fürst viele Schulden hatte bei einem Juden, musste man schauen, dass dieser auf den Scheiterhaufen kam, denn nur so konnte man sicher sein, dass mit dem Juden auch die eigenen Schulden im Feuer sicher verbrannten), oder politische-wirtschaftliche Gegner wurden im kirchlichen Inquisitionsfeuer verbrannt.
Die Päpste dieser Zeit liessen also verbrennen, was ihnen unbequem war. Da so eine Mordmanschine für die Superreichen der damaligen Zeit etwas ganz Kommodes war, wollten natürlich auch die Medicis aus Florenz einen eigenen Papst. Einige medici bezahlte Kardinäle organisierten kurzerhand ein eigenes Konzil in Pisa. Es ging diesen Kardinälen weniger um die Schaffung einer neuen,  universalen Kirche, als um den Aufbau dereigenen persönlichen Macht und vor allem derer der Medici. Es wurde  ein Gegenpapst in Pisa ernannt und die beiden amtierenden Päpste abgewählt. Avignon und Rom anerkannten natürlich die Abwahl nicht. Als Folge vom Pisakonzil hatte die damalige Welt nicht lediglich zwei, sondern gleich drei korrumpierbare Päpste zu erdulden.  Der Papst von Avignon, war mit dem französischen König und dem König von Aragon verbandelt. Der Papst in Rom stand in gegenseitiger Abhängigkeit zum deutschen Kaiser,  dem englischen Königshaus und den Fuggern. Und der Papst von Pisa, wie bereits erwähnt, war den Medici verpflichtet.


Hier siehst Du Cosimo Medici. Er ist nicht nur gekleidet wie ein Kardinal, sondern dank seinem Vermögen, auch ein wirklicher Papstmacher. Wenige Jahre später sollten uneheliche Medicisöhne sogar direkt Papst werden. Papst Leo X, Papst Hadrian VI waren Medicibastarde. Papst konnte bald nur noch werden, wer sehr viel Geld mit ins Rennen brachte, extrem viel Geld,  etwa zu vergleichen mit der Präsidentschaftswahl in den USA.

Zum Dank für die Organisation des Konzils von Pisa, hat Cosimo de Medici dem Kardinal Baldassare Cossa (später selber Gegenpapstes) nicht nur während seiner Lebenszeit viel Geld geschenkt, sondern auch nach seinem Tod ein grosses Denkmal errichten lassen. Das ist wahre Bruderliebe. Logenarbeit ist fruchtbare Arbeit, nicht? Und ohne diese Bruderarbeit, geht auch in der heutigen Welt nichts, Odin, gar nichts.

Die Kirche jagte gemeinsam mit den Königen jene, welche die kirchliche Autorität nicht akzeptierten und ihren grössenwahnsinnigen Projekten absagten. Sie jagte jene, welche den Ablasshandel anprangerten. Eine der ersten Aussteiger war die Gruppe der Waldenser. Sie wurden ab dem 12Jh durch die katholische Kirche systematisch aufgespürt, gefasst, eingesperrt und wegen Häresie zum Tod verurteilt. Aehnlich ging es den Katharern und später den Wiedertäufern, welche vor allem 18Jh wegen der massiven und aggressiven Vertreibung durch die Staatskirchen gezwungen waren in die Abgeschiedenheit zu verschweinden. Einige fanden ihr Glück in den USA, wo sie heute als Amish-People ein ganz spezielles Leben führen.

Ich poste hier den youtube Film über die Amish. Du kannst selber entscheiden, ob es richtig ist zu behaupten, dass solche Menschen für die Welt und uns eine Bedrohung darstellen und ob es legitim ist solche "Abtrünnige vom rechten katholischen Glauben" im Namen des Kreuzes auf dem Scheiterhaufen verbrennen zu lassen.

Lieber, Odin, ich bin ja selber römisch-katholisch. Es geht mir nicht darum die katholische Kirche schlecht zu reden. Es gibt sehr viele verdiente Menschen in der Kirche. Es gibt hundertausende von Freiwilligen, welche herausragende und überaus wertvolle caritative Arbeit leisten. Aber wir müssen mit unserer Geschichte korrekt umgehen, man darf nichts schönreden.
Du bis noch nicht getauft und Du wirst dereinst selber entscheiden müssen/können, was für Dich der richtige spirituelle Weg ist.

Ich werde immer bei Dir sein, wenn DU mich brauchst, aber entscheiden musst DU  trotzdem immer selber.



Sigismund, von dem wir ausgegangen sind, versuchte angestrengt gegen die Machtverzettelung in Reich und Kirche anzukämpfen. Es gelang ihm jedenfalls, mit gewiefter Taktik, in Konstanz ein grosses Konzil einzuberufen. Das Konzil von Konstanz war ein gigantischer Event, überhaupt nicht vergleichbar mit dem Minikonzil von Pisa, welches eigentlich eine reine italienisch-innenpolitische Medici Veranstaltung war.

Am Konzil erschien lediglich einer der drei gewählten Päpste, nämlich der Medici Papst aus Pisa. Baldassare Cossa der Medicikardinal ernannte sich selber zum Papst, residierte in Pisa und nannte sich Johannes XXIII. So geht das, Odin.
 Nun aber diskutierten die Konzilteilnehmer während Monaten und beschlossen ein halbes Jahr nach Konzilanfang, dass das Konzil (die Kirchenversammlung zu Konstanz) die Oberhoheit über den Papst habe. Nach diesem Entschluss wurde die Luft für Papst Johannes XXIII zu dick, er floh als Knappe verkleidet aus  Konstanz.

 Feine Herren bedeutete schon lange nicht mehr feine Sitten! Die Zeit der sportlich fairen Ritterlichkeit war vorbei.Die Stadt Konstanz war eine kleine, ruhige und neutrale Stadt. Deshalb wurde sie als Tagungsort gewählt. Als dann die Herrscher aus ganz Europa mit ihrer Entourrage nach Konstanz kamen, wurde aus einer 4000 Einwohner Stadt plötzlich eine 80`000 Einwohner grosse Stadt. Konstanz wurde zum grossen Rummelplatz, es gab Gaukler, Theater, Krämer und Heerscharen von Huren, welche ihre Dienste für die weltlichen und geistlichen Herren anboten. So versteht sich auch, Odin, dass es sechs Monate lang, ging bis der Entschluss Haec Sancta (Oberhoheit über den Papst) gefallen war. Es gab wahrscheinlich nicht viele Tag, an welchem alle nüchtern anwesend waren.
So feierten und palaverten die Reichen und Mächtigen ganze drei Jahre lang, bis das Konzil am 11.11 dem Fastnachtsanfang 1417 Papst Martin V zum Konzilpapst wählte.

Das Konzil war also Sigismunds grösstes Vermächtnis. Sonst hatte er vor allem im Norden seines Reiches einen Streit zu Schlichten. Denn Polen-Letland befand sich in einer Auseinandersetzung mit dem Deutschritterorden. Sigismund unterstützte Polen. Dass er den Deutschritterorden im Stich liess, haben ihm viele Fürsten im Reich übel genommen. Der Deutschritterorden war aber noch ein Ueberbleibsel der Staufermacht. Und die Frieden und Ritterlichkeit (Ethik und Moral) liebenden Staufer mochte man im Reich nicht mehr, so musste auch der Ritterorden Federn lassen.

1437 starb Sigismund ausgelaugt in Südmähren (heute Rumänien).

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