Zum Haus der gerechten Hoffnung

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Samstag, 17. Dezember 2011

Irland, die grüne Weltfinanzkrise.

Hallo Odin


Gestern habe ich eine eindrückliche Nacht im Hogans, ein Pub im Herzen von Dublin, verbracht. Natürlich gibt es auch im Hoogans ein Rauchverbot, aber sonst ist wirklich alles beim Alten geblieben. Rustikal, einfach, durch und durch irisch. Da hat sich nichts Britisches und auch nichts Amerikanisches eingeschlichen. Die Holzstühle sind abgesessen, der Boden ausgetreten, die Musik laut und sehr rhythmisch und die Glasscheiben dick angelaufen.



Zunächst sass ich alleine an einem kleinen Tisch. Ich habe über viele Dinge nachgedacht. Ueber Dich, unsere Familie, Europa und Irland im Besonderen. Namen wie Wiliam Yeats, Oscar Wilde, Jonathan Swift, George Bernhard Shaw, George William Russel, Flann O`Brian, Samuel Beckett und natürlich James Joyce trieben durch mein Hirn. Dublin war ein Mekka der Künstler, Politkritiker, Intellektuellen und der Theosophen.




 Natürlich habe ich das echte Irish Stout " Guiness " getrunken. Ich sass also so vor meiner Pint Guiness, an die guten alten Schriftstellter Dublins denkend, als sich zwei ältere  Iren an meinen Tisch setzten.



Die Iren sind offen und direkt, so kam man schnell ins Gespräch. Zunächst schwatzten wir oberflächlich und waren aber bald beim Fussball. Genial fanden Michael und Ryian natürlich, dass Basel letzte Woche das grosse Manchester geschlagen hatte. Es folgten Witze und andere leichte Themen, die Zeit verging im Flug, bis Ryan und Michael, nach einigen weiteren Pints, nachdenklich auf folgendes Thema schwenkten.




Es war mir als würde es plötzlich dunkel und kalt im zuvor noch gemütlichen Hogans. Michaels Augen funkelten wild auf, als er sagte: "Die Europäer meinen wohl, wir  Iren seien ein dummes Volk. Es ist aber nicht unsere Schuld, dass es Europa so schlecht geht, die Deutschen tragen die Hauptschuld. Sie haben viel zu teure Produkte in ganz Eurpa verkauft und nun haben alle Schulden bei Deutschland." Ich versuchte einzuwenden, dass ich das Probelm eher bei den systemrelevanten Grossbanken Europas sehe, welche vom Staat geschtützt werden und von den Nationalbanken dauernd zinsfreies gratis Geld in Milliardenhöhe erhalten würden, obwohl sie grobfahrlässige Kredite vergeben hätten in den Boomjahren. Michael liess mich nicht mal aussprechen. Er sagte, für die Iren sie es besser mit dem Teufel unter eine Decke zu schlüpfen, sprich sich England anzuschliessen, als weiterhin in der EU zu bleiben. Bei diesem Statement blieb mir die Spucke weg, wenn ein Ire sowas sagt, dann kann ich ihn als Schweizer wohl kaum überzeugen. Er wetterte über die D-Bank und die deutsche Regierung. Ich unterbrach ihn und sagte der D-Bank Chef Joe Ackermann sei aber ein Schweizer. Dann sprachen die beiden fast eine Viertelstunde über die Schuld Brüssels, dass es Irland jetzt immer noch nicht besser gehe. Nach der Tirade klopften sie mir auf die Schultern, sagten ich sei trotztdem ein netter Kerl standen auf und verliessen das Lokal.

Ich war ratlos, insbesondere, da sich noch andere Iren am Gespräch beteiligten und alle derselben Meinung waren. 

Ich suchte den nächsten Bookshop und fragte nach einem Buch über die irische Wirtschaftskrise. Der nette Verkäufer sagte, ja da hätte er was. Er zog gezielt ein Buch aus dem Regal und meinte, es sei skandalös, wie sich die irischen Politiker, Banker und Geschäftsleute in den Boomjahren am Staat bedient hätten. Ich fragte nach, ob er meine, dass die eigene irische Regierung am Untergang des Celtic Tigers schuld sei. Er nickte und tippte auf das Buch ud sage: Lies es, dann weisst Du bescheid.

Das Buch heisst Ship of Fools von Fintan O`Toole.








O`Toole ist DER Wirtschaftsjournalist bei den Irish Times. Er nimmt in seinem Buch kein Blatt vor den Mund. Korruption, Dummheit und Gier der Mächtigen haben Irland innerhalb weniger Jahre vom Wirtschaftsmusterkanben zum hochverschuldeten Sorgenkind werden lassen.







Er sagt, man hätte den neoliberealen Politikern nie die Zügel so locker lassen dürfen. Es habe kaum mehr eine staatliche Kontrolle für Bankgeschäfte, Immobilienhandel etc gegeben. Um internationale Grossunternehmen nach Irland zu locken hat die Regierung die Steuern drastisch gesenket, ohne die Sozialausgaben anzupassen. Im Gegenteil da immer mehr Unternehmen nach Irland kamen und Vollbeschäftigung herrschte, ja sogar Arbeitsimmigration nach Irland, glaubte jeder daran Geld im Uebermass ausgeben zu können. Man prasste und zockte, ohne an die Zukunft zu denken.

Die kalte Dusche kam bald und sie war fast unerträglich. Irland wurde auf einen Schlag wieder mit den Problemen von früher konfrontiert, Arbeitslosigkeit, Armut und Massenmelancholie.

Im Buch zitiert O`Toole ein Gedicht von Jonathan Swift, welches das nicht nur irische Problem gut auf den Punkt bringe. DER GROESSENWAHN.

We used up all the wealth we had
To build a ship for fools and mad
And, knowing it proof against all schocks,
Steered it blithely towards the rocks.

Fazit: Die Bevölkerung sieht sich als Opfer der EU-Regierung. Man sucht den Sündenbock ausserhalb des Landes. Das ist ein menschlicher, für Europa aber sehr gefährlicher, Reflex. Denn, wenn Griechenland, Spanien, Italien etc auch die Schuld anderswo suchen, dann kann es nie zu einer Besserung kommen.
Meistens ist die Schuldfrage sowieso sehr komplex, es gibt meist nicht nur einen Schuldigen, sonder oft mehrere. Deshalb wäre es am klügsten vor allem bei sich selber die Schuld zu suchen.

Nachzudenken hat mir dieser Abend jedenfalls gegeben.

Und weil X-mas ist, poste ich hier noch ein irisches Weihnachtslied der Pogues. Die Geschichte spielt in New York. Irland hat sich nämlich mehrmals massiv verzockt in der Geschichte. So kam es, dass immer wieder Wellen von verarmten Iren nach England, oder eben nach Amerika (New York) auswandern mussten.






und noch ein wunderbares Pogues-Dubliner Video." The irish Rover".





Und zum Schluss noch "The beauty and the beast" auf Irisch.





Wer will schon Avalon suchen, wenn es Irland gibt?

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